Bei dir piept ’s wohl!

Bild: Esther Neumann

In einem gemeinsamen Haushalt mit modernen, intelligenten Elektrogeräten leben – das ist Kommunikationstraining pur.

„Ich komm gleich!“ rufe ich der Waschmaschine entgegen, wenn es bei ihr mal wieder piept und sie von mir geöffnet werden will. „Keine Angst – ich mach dich gleich zu – nur noch die Butter, und das war’s…“, besänftige ich den Kühlschrank, der mir lautstark zu verstehen gibt, dass ich ihn für seinen Geschmack schon viel zu lange offen habe.

Als sich die Spülmaschine auch noch bemerkbar macht, ist es aus mit meiner freundlichen Gelassenheit. „Fängst du jetzt auch noch an?“ Auch die Spülmaschine will vermutlich einfach nur ein bisschen Aufmerksamkeit – auch sie braucht Zuwendung und Wertschätzung. Ich beschließe, ihr gegenüber beim nächsten Mal weniger pampig zu reagieren. Aber sie scheint mir meinen Ton zum Glück nicht übel zu nehmen. Als ich sie öffne beginnt sie in ihrem schönsten Blau zu strahlen.

Jetzt klingelt es auch noch an der Tür. Durch die Kamera erkenne ich den Paketboten, öffne die Tür zum Hof mit Hilfe des automatischen Türöffners und mache in freudiger Erwartung meiner Lieferung die Wohnungstür schon mal einen Spalt breit auf.

In dem Moment setzt sich mein Saugroboter in Bewegung und steuert direkt auf die Haustür zu. „Stopp!“ rufe ich, doch die Sprachsteuerung des Saugroboters scheint gerade einen Aussetzer zu haben und schon ist er durch die Tür. „Stopp!“

Im Treppenhaus höre ich die Schritte des Paketboten näher kommen. Wenn das mal keinen Zusammenstoß gibt!

„Du bist aber ein niedliches kleines Kerlchen. … Pass auf, dass du nicht die Treppe runter fällst, mein Hübscher.“ Geschmeichelt von den freundlichen Worten des Paketboten dreht sich der Saugroboter einmal um sich selbst, blinkt mehrmals rot auf, und begibt sich dann durch die Haustür zurück in meine Wohnung.

„Einen ganz einen braven haben Sie da…“ – Ich lächle den Paketboten verlegen an und nehme dankend seine Lieferung entgegen. Endlich – mein GFK Navigator Set ist angekommen!

Autorin: Esther Neumann

Oh je – wie schau ich denn aus!

Bild: Esther Neumann

Oh je – wie schau ich denn aus! Die Kamera meines Notebooks zeigt mich mal wieder von meiner besten Seite.

Wenn sich allerdings jeder bei einem Online Meeting nur auf sein eigenes Spiegelbild konzentriert, so wie ich es tue, dann sieht mich wenigstens gerade keiner. Augenringe – Doppelkinn. Ob das der Filter der Kamera Schuld ist?

Mut – nur Mut! Vielleicht komme ich ja in Wirklichkeit genauso perfekt rüber, wie die 29 jährige Kollegin, die mit ihrem strahlenden Lächeln die Kamera verzaubert? Mein Kollege Ralph muss sich wenigstens keine Sorgen (mehr) darum machen, ob seine Frisur sitzt. Die Glatze steht ihm ausgesprochen gut. Und cool, wie er mal wieder gekleidet ist.

Wenn allerdings einfach mal jeder von sich selbst absieht, dann ist die Webcam eine gute Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren. Egal, wo man sich befindet – Inland oder Ausland, Süden oder Norden – Land oder Stadt – im Büro oder auf dem Sofa.

Klar – ein persönliches Treffen ist mir tausendmal lieber. Ich bin aber trotzdem positiv überrascht, dass es möglich ist, online eine Verbindung zu anderen Menschen herzustellen und mit Menschen, die man sonst gar nicht sehen könnte, in Verbindung zu bleiben.

Autorin: Esther Neumann

Winternacht

Der Tag rennt hastig mir davon, die Nacht ist ellenlang.
Die Bäume sehn wie Geister aus, den Kindern ist es bang.
Der Schnee verdeckt die Felder mir.
Ein letzter Grashalm schaut hervor.
So gib ihm Kraft zu wachsen hier.
Gleich hinter Herbstes Tor.

Mir ist es kalt, ich bleib zu Haus.
Und sitze da und träume.
Früh gehen schon die Lichter aus.
In Dunkelheit die Bäume.

Autorin: Esther Neumann

Mit diesem winterlichen Gedicht verabschieden wir uns von euch für das Jahr 2020. Wir wünschen euch ein besinnliches Weihnachtsfest und einen ruhigen Start ins neue Jahr.

Elfie, Steffi und Esther

Polyphrasie

Reden ohne Punkt und Komma, einem das Ohr abkauen – das sind Redewendungen, die das umschreiben, was in der Fachsprache als Logorrhoe oder Polyphrasie bezeichnet wird.

Habt Ihr auch eine von dieser besonderen Art der Flitzeritis betroffene Person in eurem Bekanntenkreis? Verbringt Ihr freiwillig regelmäßig Zeit mit der- oder demjenigen oder vermeidet Ihr den Umgang mit dieser Quasselstrippe, wo immer es geht? Macht Ihr euch Sorgen um das Wohlbefinden eures monologisierenden Gegenübers – denn dahinter kann sich auch eine ernst zu nehmende Krankheit verbergen, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion – oder geht euch der- oder diejenige einfach nur auf die Nerven?

Zunächst einmal stellt sich die Frage: was bewegt uns dazu, dass wir uns mit jemanden verabreden, der uns nicht zu Wort kommen lässt? Wie kann es dazu kommen, dass sich trotz dieser sich im Ungleichgewicht befindenden Kommunikation eine Freundschaft entwickelt? Ich denke über meinen eigenen Freundeskreis nach. War es nicht genau diese eine Nervensäge, die mich in schwierigen Zeiten nicht im Stich gelassen hat? Waren es vielleicht gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse, durch die eine Verbindung zwischen uns entstanden ist? Aktivitäten, bei denen das Reden eine untergeordnete Rolle gespielt hat? Ich frage in meinem Umfeld nach, warum andere eine solche Freundschaft aufrecht erhalten. „Ich finde es angenehm, einfach mal meine eigenen Gedanken schweifen zu lassen, während mein Gegenüber wie ein Wasserfall redet“, so die Rückmeldung einer Befragten. „Ich finde es erholsam, einfach mal nichts zur Kommunikation beitragen zu müssen, mal nicht die Moderation eines Gesprächs übernehmen zu müssen, zwischendurch ein „Ja genau“ einbringen und mehr nicht.“

Aber was, wenn wir mal nicht unsere eigenen Gedanken schweifen lassen wollen? Welche Möglichkeiten haben wir, im Gespräch mit einer von Logorrhoe betroffenen Person selbst zum Zug zu kommen? Lässt sich der Redeschwall irgendwie ausbremsen oder kann er gar komplett gestoppt werden?

Auf die Frage „Was tun, wenn jemand ohne Punkt und Komma redet?“ wirft meine Suchmaschine folgenden Treffer aus: „7 Tipps wie Sie Ihr nerviges Gegenüber zum Schweigen bringen.“ Wie ich feststelle, geht es in dem Fall nicht darum, der unter Polyphrasie leidenden Person ein paar überzubraten, sondern der Artikel enthält praktische Tipps, wie man einen Monolog am Ende doch noch in ein interessantes Gespräch verwandeln kann.

Gleich bei meinem nächsten Treffen mit meiner – trotz gewisser Kommunikationsschwierigkeiten – langjährigen Freundin Nina versuche ich, die empfohlene Taktik anzuwenden:

Tipp Nummer 1: Stellen Sie Fragen, die der andere nur mit Ja oder Nein beantworten kann.

„Sag mal Nina – Kennst du eigentlich den Film „Zwiebel-Jack räumt auf“?“ Ich hätte jetzt selbst von Nina ein schlichtes „Nein“ erwartet, aber statt des „Neins“ löst selbst diese von mir bewusst belanglos gewählte Frage eine Assoziationskette bei Nina aus, die sich gewaschen hat. Nina schließt verträumt die Augen und geht in Startposition. „Ach ja – „Zwiebel-Jack räumt auf“ – das waren noch Zeiten. 1975 – da gab es den Mathäser Filmpalast noch nicht. Jochen und ich im Gabriel in der letzten Reihe. Und Franco Nero in der Hauptrolle. Wusstest du, dass Franco seit 2006 mit Vanessa Redgrave verheiratet ist? Ja also Jochen und ich hatten damals beschlossen, dass wir gleich nach unserem Schulabschluss heiraten – du warst vermutlich gerade erst den Windeln entstiegen, aber ich war in dem Jahr stolze 17 geworden. Ich weiß nicht mehr so genau, warum es dann am Ende mit Jochen und mir doch nicht geklappt hat – ich war echt ein heißer Feger. Irgendwann hat Jochen einfach mit mir Schluss gemacht und Isa geheiratet – diese alte Langweilerin. Die hat doch nie ein Wort rausgebracht. Schon seltsam, was Jochen an der gefunden hat…“

Tipp Nummer 2: Der Sag-die-Wahrheit-Trick

„Du, Nina, es ist ausgesprochen interessant was du 1975 erlebt hast. Was ich dir aber schon immer sagen wollte: Ich finde, dass du ein bisschen zu viel monologisierst. Um es auf den Punkt zu bringen: du redest zu viel.“

„Ach echt jetzt? Das sagt Bernd auch immer. Weißt du, dass Bernd abgesehen davon ein richtig cooler Typ ist? Es wird wirklich Zeit, dass du ihn endlich mal kennenlernst. Der malt Bilder – das glaubst du nicht. Da kann Hans Hartung einpacken dagegen – und du weißt, wie sehr ich die Bilder von Hans Hartung mag. Und kochen kann der – das ist der Wahnsinn! Die Spinatknödel in Salbei Soße – genial! Nicht jeder mag vielleicht Salbei – aber ich könnte mich da rein legen.“

Ich überlege, ob ich es jetzt vielleicht mit Tipp Nummer 3 (Der Ablenkungstrick) oder gleich mit Nummer 7 (Verwirre dein Gegenüber durch eine unerwartete Zwischenfrage) versuchen soll. Doch während Nina ohne Punkt und Komma weiterredet, fühle ich mich entspannt wie schon lange nicht mehr, lasse meine Gedanken schweifen und denke darüber nach, ob Bernd wohl schon den Artikel „Hilfe, meine Frau ist eine Quasselstrippe“ gelesen hat, der letzte Woche in der Print-Ausgabe eines nicht unbekannten deutschen Wochenmagazins erschienen ist.

Autorin: Esther Neumann

Missverständnisse

Warum versteht mich denn keiner? Hörst du mir überhaupt zu? Hast du verstanden, was ich gerade gesagt habe? Oh Mann, was ist denn hier nur für ein Krach. Man versteht ja sein eigenes Wort nicht. Pardon? I didn’t catch what you said? Was meinst du damit?

Es gibt so viele Gründe, warum es zu Missverständnissen kommen kann. Da ist es fast noch das geringste Problem, dass man einfach nur eine unterschiedliche Sprache spricht oder dass die Hintergrundgeräusche einfach viel zu laut sind. Warum verstehen wir uns ständig falsch, obwohl wir die gleiche Sprache sprechen?

Gehen wir mal davon aus, dass es bei jeder Botschaft, die gesendet wird – egal auf welche Weise – immer einen Sender und einen Empfänger gibt. Da gibt es z.B. das Problem, dass der Sender ein unterschiedliches Vorwissen hat als der Empfänger. Wenn sich der Sender dann nicht in sein Gegenüber hinein versetzen kann und umgekehrt, dann ist es mal wieder passiert: es kommt zu einem Missverständnis. Dem Empfänger fehlen wichtige Informationen, um die Botschaft des Senders zu entschlüsseln. Im besten Falle hakt der Empfänger beim Sender nach, um die fehlende Information zu erhalten – im schlimmsten Fall kommt es zu einem Missverständnis und der Empfänger denkt, er habe alles richtig verstanden.

Noch komplizierter kann es werden, wenn der Sender der Nachricht und der Empfänger der Nachricht einfach verschiedene Ansichten haben oder verschiedene Erwartungen. So kann der Sender z.B. die Erwartung haben, dass er zu einem bestimmten Zeitpunkt Rückmeldung vom Empfänger erhält. Wenn er dies aber nicht klar kommuniziert, kann es passieren, dass der Empfänger die Aufgabe immer weiter vor sich herschiebt, bis der Sender sauer auf denjenigen ist, dem er die Aufgabe übergeben hat. In meiner Arbeit bringt mich das immer wieder an meine Grenzen, vor allem wenn ich der Meinung bin, dass ich eigentlich alles klar und deutlich kommuniziert habe.

Denn selbst, wenn ich versuche, alles richtig zu kommunizieren, hört mein Gegenüber meist nur dann hin, wenn bereits etwas schief gelaufen ist. Mein wichtiger Hinweis, auf was man bei der Durchführung einer Sache achten muss, findet erst Gehör, wenn mein Gegenüber selbst in das Problem reingelaufen ist, vor dem ich mein Gegenüber warnen wollte. Wer nicht hören will muss fühlen… oder wie hieß es früher immer?

Bei meiner Recherche zum Thema Missverständnisse war ich dann doch erstaunt über eine Sache. Da lese ich: Es gibt vier Arten von Missverständnissen: unbeabsichtigte Missverständnisse, leichtfertige Missverständnisse, zufällige Missverständnisse und beabsichtige Missverständnisse. Beabsichtigte Missverständnisse? Was sind denn beabsichtigte Missverständnisse? Als gäbe es nicht schon genug unbeabsichtigte Missverständnisse? Ich finde die Erklärung, dass bei den beabsichtigen Missverständnissen nur der eine Gesprächspartner bemüht ist, den anderen zu verstehen. Na toll – als wäre Kommunikation nicht ohnehin schon schwer genug!

Autorin: Esther Neumann

Coronavirus – Die Seife

Bisher war mir nicht bewusst, welche Kostbarkeit ich in meinen Händen halte.

Jeden Tag benutze ich sie, mehrmals täglich. Den Vorschriften der Virologen entsprechend: Mindestens 30 Sekunden, die Hände mit Seife reinigen, die Finger einzeln einseifen, auch die Zwischenräume, immer wieder das Seifenstück hin und her bewegen, richtig lustvoll. Das ist jetzt Teil meines Lebens in der Coronakrise.

Ein Rat von Überlebenskünstlern ist, das Lied „Happy Birthday“ dreimal zu singen, um die vorgegebene Zeit des Einseifens einzuhalten. Viele haben dieses Lied inzwischen satt, schade eigentlich.

Ein Theatermann sagte: „Ich möchte mir nicht von Frau Merkel sagen lassen, dass ich mir die Hände waschen muss.“ Ja, du Macho, dann wasch sie dir halt nicht.

Dieses Händewaschen mit Seife ist das Wichtigste, was wir zum Schutz vor dem Coronavirus tun können. Und natürlich den Abstand einhalten und den Mund Nasen Schutz tragen, aber nicht überall. Aber als Zeichen sichtbar: ich schütze dich und du schützt mich.

An erster Stelle des Schutzes steht die Handhygiene, sie ist jetzt überlebenswichtig.

Ich betrachte das kleine Stück Olivenseife in meinen Händen und fast kommen mir die Tränen. Dieses Stück Seife hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet. Sie ist meine Heldin.

Autorin/Bild: Elfie Kriester