Beam me up, Scotty

Heute Morgen wieder. Ich lasse mich im Menschenstrom treiben, wir schwappen in einer Welle die Treppe hinunter zur U-Bahn an der Münchner Freiheit. Neben uns fährt die Rolltreppe in die andere Richtung, bringt die Menschen nach oben. Wir breiten uns auf der Treppe aus, automatisch nach mehr Platz suchend. Ich sehe, wie sich ein Mann entgegen den Strom auf der Treppe nach oben drängt. Der einzige, der nicht die Rolltreppe nimmt. Energisch, schnell. Bevor ich ausweichen kann, rempelt er mich an der Schulter an. Ich war eine Sekunde zu langsam.

Neulich habe ich beobachtet, wie ein Kind auf die Straße gerannt ist – einfach, weil die Fußgänger-Ampel auf Grün gesprungen war. Der Autofahrer, der unbedingt fünf Minuten früher bei der Arbeit sein wollte, musste eine Vollbremsung machen.

Manchmal erinnert mich das alles an den Roman „Momo“ von Michael Ende. Zeit sparen, um später mehr Zeit zu haben. Aber das Leben ist halt eben genau jetzt.

So schnell wie der Schall

Wir sehnen uns nach mehr Platz und Zeit, nach schnelleren Möglichkeiten, von einem Ort zum anderen zu kommen. Doch wo gibt es noch Platz? Oben! Flugtaxis sollen bald direkt vom Hauptbahnhof zum Flughafen abheben und die Menschen in fünf Minuten dorthin transportieren. Auch auf Bürohausdächern sollen kleine Flugplätze eingerichtet werden. Das ist kein Science-Fiction. Start-ups sind bereits dabei, die Flieger zu entwickeln. Und sie funktionieren. Später vielleicht sogar autonom, ohne Pilot.

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Wird es bald Lufttaxis geben? Bild: JESHOOTScom/pixabay

Eine andere Möglichkeit bietet der sogenannte Hyperloop. Dabei handelt es sich um eine Art Rohrpost. Fahrgastkapseln, die sogeannten Pods, sollen mit annährend Schallgeschwindigkeit durch eine Röhre rasen, in der ein Teilvakuum herrscht. Dieses Konzept hat der Visionär Elon Musk 2013 vorgestellt. Musk, unter anderem Gründer von Tesla und dem Raumfahrtunternehmen SpaceX, hat außerdem zur „Hyperloop-Pod-Challenge“ aufgerufen. Hier sollen Studierende aus aller Welt Konzepte für die Passagierkapseln des Zugs einreichen. Die Prototypen treten dann in einer eigens dafür errichteten Röhre gegeneinander an. Drei Wettbewerbe gab es bereits.

Zwei Firmen aus den USA liefern sich momentan einen Wettkampf darum, wer den Hyperloop zuerst verwirklichen wird – angeblich ist das bereits in zwei Jahren möglich. Auch die bayerische Staatsregierung ist vom Hyperloop begeistert. So hatte Ministerpräsident Markus Söder in seiner Regierungserklärung angekündigt, einen Teststrecke in Bayern bauen zu wollen.

Von München nach Berlin in 30 Minuten. Ausgereift ist diese Technik allerdings noch nicht. Auch bleibt die Frage: Wo soll das Röhrensystem gebaut werden?

Teilchen im Transportstau

Ich persönlich frage mich: Wie lange wird es dauern, bis uns die Flugtaxis und Schallgeschwindigkeit auch zu langsam sind? Bis wir nicht einmal mehr warten können, bis die anderen Fahrgäste ausgestiegen sind, und uns an ihnen vorbei auf die freien Sitze drängen. Wegen der Illusion, dann Zeit zu sparen.

Bei „Star Trek“ beamen sich die Menschen von einem Ort zum anderen. Sie werden in ihre Elementarteilchen aufgelöst und dann an einem anderen Ort wieder zusammengesetzt. Wäre das schnell genug? Und hätten wir dann endlich mehr Zeit? Oder sitzen wir dann auch ewig in der Wartschlange, wegen „Technischer Schwierigkeiten“ am Beamer-Schaltpult oder wegen einem Beam-Stau? Und ist es immer noch möglich, sich vorzudrängeln und andere anzurempeln, wenn man in seine Elementarteilchen aufgelöst ist?

(Stefanie Reiffert)

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Das Schild an der Brücke

Foto Elfie

Das Verweilen auf der Brücke ist verboten

Als ich die ersten fünf Worte auf dem grünen Schild am Starnberger See bei der Übergangsholzbrücke gelesen hatte, war ich sehr erstaunt und auch erfreut über den Begriff „Verweilen“. Gibt es auf dem Landratsamt tatsächlich noch Menschen, die dieses Wort kennen und haben auch noch den Mut, ihn auf ein öffentliches Schild zu schreiben. Ich bin begeistert  aber die andere Frage ist, gibt es überhaupt noch Spaziergänger, die verweilen können.

Verweilen empfinde ich als zweckfrei. Die Menschen, die auf den Bänken sitzen oder auf den Stegen ruhen, wollen meist sich ausruhen oder braun werden. Auch die Rast im überfüllten Seecafé hat den Zweck die Gelüste oder den Hunger zu stillen. Nebenbei ist es auch noch möglich, die Leute an den Nachbartischen zu beobachten und insgeheim über sie zu lästern. Selbst Kinder haben was zu tun am Seeufer –  Feuersteine suchen, Hölzchen oder Steine werfen oder vor den Wellen weglaufen.

Verweilen sehen wir vielleicht Babys in Kinderwägen oder alte Menschen, die immer wieder während des Gehens Pause machen müssen, weil der Körper nicht mehr so kräftig ist.

Eigentlich schade, dass wir auf der besagten Brücke nicht verweilen dürfen und dass es sogar verboten ist.

Vielleicht war es aber auch nur ein kostbarer Hinweis von diesem Amtsangestellten, dass das Verweilen überall möglich ist, aber leider halt nicht auf dieser besagten Brücke.

(Elfie Kriester)