Missverständnisse

Warum versteht mich denn keiner? Hörst du mir überhaupt zu? Hast du verstanden, was ich gerade gesagt habe? Oh Mann, was ist denn hier nur für ein Krach. Man versteht ja sein eigenes Wort nicht. Pardon? I didn’t catch what you said? Was meinst du damit?

Es gibt so viele Gründe, warum es zu Missverständnissen kommen kann. Da ist es fast noch das geringste Problem, dass man einfach nur eine unterschiedliche Sprache spricht oder dass die Hintergrundgeräusche einfach viel zu laut sind. Warum verstehen wir uns ständig falsch, obwohl wir die gleiche Sprache sprechen?

Gehen wir mal davon aus, dass es bei jeder Botschaft, die gesendet wird – egal auf welche Weise – immer einen Sender und einen Empfänger gibt. Da gibt es z.B. das Problem, dass der Sender ein unterschiedliches Vorwissen hat als der Empfänger. Wenn sich der Sender dann nicht in sein Gegenüber hinein versetzen kann und umgekehrt, dann ist es mal wieder passiert: es kommt zu einem Missverständnis. Dem Empfänger fehlen wichtige Informationen, um die Botschaft des Senders zu entschlüsseln. Im besten Falle hakt der Empfänger beim Sender nach, um die fehlende Information zu erhalten – im schlimmsten Fall kommt es zu einem Missverständnis und der Empfänger denkt, er habe alles richtig verstanden.

Noch komplizierter kann es werden, wenn der Sender der Nachricht und der Empfänger der Nachricht einfach verschiedene Ansichten haben oder verschiedene Erwartungen. So kann der Sender z.B. die Erwartung haben, dass er zu einem bestimmten Zeitpunkt Rückmeldung vom Empfänger erhält. Wenn er dies aber nicht klar kommuniziert, kann es passieren, dass der Empfänger die Aufgabe immer weiter vor sich herschiebt, bis der Sender sauer auf denjenigen ist, dem er die Aufgabe übergeben hat. In meiner Arbeit bringt mich das immer wieder an meine Grenzen, vor allem wenn ich der Meinung bin, dass ich eigentlich alles klar und deutlich kommuniziert habe.

Denn selbst, wenn ich versuche, alles richtig zu kommunizieren, hört mein Gegenüber meist nur dann hin, wenn bereits etwas schief gelaufen ist. Mein wichtiger Hinweis, auf was man bei der Durchführung einer Sache achten muss, findet erst Gehör, wenn mein Gegenüber selbst in das Problem reingelaufen ist, vor dem ich mein Gegenüber warnen wollte. Wer nicht hören will muss fühlen… oder wie hieß es früher immer?

Bei meiner Recherche zum Thema Missverständnisse war ich dann doch erstaunt über eine Sache. Da lese ich: Es gibt vier Arten von Missverständnissen: unbeabsichtigte Missverständnisse, leichtfertige Missverständnisse, zufällige Missverständnisse und beabsichtige Missverständnisse. Beabsichtigte Missverständnisse? Was sind denn beabsichtigte Missverständnisse? Als gäbe es nicht schon genug unbeabsichtigte Missverständnisse? Ich finde die Erklärung, dass bei den beabsichtigen Missverständnissen nur der eine Gesprächspartner bemüht ist, den anderen zu verstehen. Na toll – als wäre Kommunikation nicht ohnehin schon schwer genug!

Autorin: Esther Neumann

Neues Projekt „Kommunikation“

Telefonzelle im Werksviertel. Bild: S. Reiffert

Wie entstehen Missverständnisse? Existiert Telepathie? Wie verändert sich die Sprache in Zeiten von Corona? Wir erschließen uns das Thema Kommunikation multimedial. Seid gespannt auf neue Beiträge.
Elfie, Esther und Steffi von „Raum für 3“ .

Coronavirus – Die Seife

Bisher war mir nicht bewusst, welche Kostbarkeit ich in meinen Händen halte.

Jeden Tag benutze ich sie, mehrmals täglich. Den Vorschriften der Virologen entsprechend: Mindestens 30 Sekunden, die Hände mit Seife reinigen, die Finger einzeln einseifen, auch die Zwischenräume, immer wieder das Seifenstück hin und her bewegen, richtig lustvoll. Das ist jetzt Teil meines Lebens in der Coronakrise.

Ein Rat von Überlebenskünstlern ist, das Lied „Happy Birthday“ dreimal zu singen, um die vorgegebene Zeit des Einseifens einzuhalten. Viele haben dieses Lied inzwischen satt, schade eigentlich.

Ein Theatermann sagte: „Ich möchte mir nicht von Frau Merkel sagen lassen, dass ich mir die Hände waschen muss.“ Ja, du Macho, dann wasch sie dir halt nicht.

Dieses Händewaschen mit Seife ist das Wichtigste, was wir zum Schutz vor dem Coronavirus tun können. Und natürlich den Abstand einhalten und den Mund Nasen Schutz tragen, aber nicht überall. Aber als Zeichen sichtbar: ich schütze dich und du schützt mich.

An erster Stelle des Schutzes steht die Handhygiene, sie ist jetzt überlebenswichtig.

Ich betrachte das kleine Stück Olivenseife in meinen Händen und fast kommen mir die Tränen. Dieses Stück Seife hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet. Sie ist meine Heldin.

Autorin/Bild: Elfie Kriester

Coronavirus – Gesundheit vor Schönheit oder wie schaust denn du aus

Bisher fand ein wichtiges Thema in der Öffentlichkeit kaum Beachtung. Das Aussehen, bzw. die Frisur der Menschen. Die Friseursalons sind geschlossen. Wenn der Lockdown noch länger dauert, könnten wir bald wieder wie Höhlenmenschen aussehen. Warum nicht. Aber jetzt wissen wir ja, dass es soweit nicht kommen wird. Aller Voraussicht nach, werden die Friseurläden Anfang Mai wieder geöffnet. Bis dahin sind es aber noch über 2 Wochen.

Zwei Politiker B.J. und D.T. und der Starvirologe Virologe Ch. D. waren ihrer Zeit schon weit voraus, die Drei hatten schon vor der Corona Krise keinen Friseur.
Ich erinnere mich an ein Foto in unserem Familienalbum. Mein jüngerer Bruder präsentiert stolz seinen selbstgeschnittenen Pagenkopf, total schief. Welches Kind hat nicht einmal selbst seine Haare geschnitten. Oft mit vorhersehbaren Folgen für den Familienfrieden.

Bei meiner Freundin Rosa ist es schon so weit, dass sie mir am Telefon vorheult, dass ihr kaum jemand aus ihrem Familien- und Freundeskreis fehlt, aber Angelo ihren Friseur, vermisst sie wirklich. Nicht nur wegen dem Haareschneiden. Ihrer Aussage nach ist er der geduldigste und aufmerksamste Zuhörer, den sie sich vorstellen kann. Er kennt die Geschichten aus ihrer Familie, gibt Ratschläge und beruhigt sie immer wieder. Hört sich alles an, als ob er ein Therapeut wäre. In absehbarer Zeit wird sie ihm wieder ihr Herz ausschütten können.

Inzwischen greifen einige von uns selbst zur Schere. Warum nicht, in der Verzweiflung. Die Ergebnisse sind sehr speziell. „Was Friseure können, können nur Friseure“ bemerkte eine Fernsehmoderatorin dieser Tage.

Schere

Viele der Friseursalons werden wahrscheinlich nach Ende des Lockdowns nicht mehr öffnen, in der Ökonomie heißt das gesundschrumpfen.

Aber was machen wir bis zur Aufhebung der Schließung der Salons. Ich werde sicher auch bald zur Schere greifen, kann schon nicht mehr aus den Augen schauen. Ein Vorteil vom Homeoffice ist, dass ich für die Dauer der Telefonkonferenz meine grau nachwachsenden Haare verdecken kann. Auch mein Mann verändert sein Äußeres immer mehr. Er lässt sich jetzt die Haare wachsen. Leider wird er dadurch Jesus nicht ähnlicher. Ich befürchte, er wird zum Steinzeitmenschen, wir werden sehen. Eine Glatze will er sich auf keinen Fall scheren. Er meint, ja wie würde das denn aussehen.
Unser Sohn hat sich seine Haarpracht selbst geschnitten, rappelkurz. Nach seinen Aussagen schaut er jetzt aus, wie ein berühmter Fußballstar. Ich habe immer noch nicht herausgefunden, welchem. Unsere Tochter ist glücklich über ihre neue Haarpracht. Jetzt skypt sie stundenlang mit ihren Freundinnen und unterhält sich über die Pflege, statt ihre Schulaufgaben zu machen.

Ich höre auch schon Stimmen, die sagen, endlich brauche ich nicht mehr dem Schönheitsideal entsprechen. Klingt ja schon ein wenig nach Anarchie.
Ich denke, dass die Coronakrise die Menschen vor allem Äußerlich verändern wird und Innerlich? Wir werden sehen.

Meine Mutter hat das Haar/Friseur Problem genial gelöst. Sie, die jeden Freitag zum Friseur ging, sich die Haare noch mit Lockenwickler aufdrehen lies. Sie, die auf ihr Aussehen den allergrößten Wert legte, die immer wie aus dem Ei gepellt daherkam, hat sich jetzt schon geändert. Wenn wir skypen, hat sie eine Wollmütze auf und ist bester Dinge.

Autorin: Elfie Kriester

Telepathie

Es gibt zum Glück Möglichkeiten miteinander zu kommunizieren, auch wenn man sich nicht persönlich treffen kann. Da gibt es z.B. das gute alte Briefe Schreiben – das scheitert jedoch gerne daran, dass man die Postanschriften der eigenen Freunde gar nicht mehr parat hat oder einfach keine Briefmarke zur Hand.

Eine Großmutter liest ihrem Enkel per Skype eine Geschichte vor. Eine Fitnesstrainerin überträgt ihre Kurse per Livestream, die Nachbarin über mir hüpft so lange vor dem Bildschirm herum, bis sich die Nachbarin unter mir bei mir über den Krach beschwert. Therapiesitzungen finden per Videochat statt.

Und dann gibt da noch die Telefontelepathie: Denkt mal ganz fest an einen Freund, dessen Stimme Ihr jetzt gerne hören würdet. Wenn Ihr ganz viel Glück habt – oder eben telepathische Fähigkeiten – klingelt kurz darauf das Telefon und euer Freund ist auf der anderen Seite der Leitung.

Diese sogenannte Telefontelepathie hat der Biologe und Autor Rupert Sheldrake erforscht. Den auf seiner Webseite angebotenen Telefon Telepathie Test habe ich zwar noch nicht ausprobiert, aber es ist mir auf jeden Fall schon passiert, dass sich jemand genau in dem Moment bei mir meldet, in dem ich an denjenigen oder diejenige denke.

Und falls es mit der Telefontelepathie mal nicht klappt: da gibt es ja auch noch die Telepathie am Telefon. Hier kann man Telepathie Expertinnen wie die „Starseherin Helene“ oder das „exklusive Starmedium Clarissa“ kontaktieren, die einem in schwierigen Lebenssituationen mit ihrer Telepathischen Begabung zur Seite stehen. Ob Beziehungsprobleme oder karmische Verstrickungen: kein Problem – Telepathie am Telefon schafft Abhilfe.

Ich habe vor ca. 3 Wochen versucht, telepathisch bei Clarissa einen Termin für ein 15 Minütiges Gratisgespräch anzufragen. Irgendwann wird sie sich sicher bei mir melden. Vermutlich hat sie nur einfach grad zu viel zu tun.

Autorin: Esther Neumann

Spazierengehen in Zeiten von Corona

„Ist bei uns Spazierengehen erlaubt?“
„Ja, bei uns ist Spazierengehen erlaubt.“
„Aber in Italien und Spanien, dürfen die Leute nicht raus zum Spazierengehen.“
„Nein, die dürfen nicht raus zum Spazierengehen…..“
Diese oder ähnliche Gespräche führe ich nun täglich, mit meinem Vater und meinen Freundinnen.

Die Menschen sollen zusammenstehen, aber keinen körperlichen Kontakt haben.
Ja, wir haben es noch gut, wir dürfen noch unsere Luxusquarantäne verlassen, dürfen ohne ein bestimmtes Ziel, z.B. Arbeitsplatz, Supermarkt einfach rausgehen.

Fahrradfahren oder Joggen. Auf dem Land ist das sicher einfacher als in der Stadt. In München aber, insbesondere an der Isar ist ein Spaziergang eine Herausforderung. Alle wissen, es ist mindestens 1,5 – 2 m Abstand zu halten. Viele halten den Kopf zum Boden gesenkt, schützt diese Haltung auch vor einer Infektion? Es ist ein Zeichen, sprich mich ja nicht an.

Mit Anstand Abstand halten, wie mein Vater zu sagen pflegt. Er hat es leicht die Distanz zu halten, er wohnt außerhalb von München. Aber ich, die ich täglich mehrere Male mit meinem Hund Gassi gehe, verliere manchmal meinen Anstand. Manche Fußgänger, wenn sie mich erblicken, verhalten sich so, als ob ich ein Teufel in Frauengestalt wäre. Sie wenden sich fast angewidert ab und machen mehr als einen riesigen Bogen um mich. In Normalzeit wäre ich zutiefst verletzt gewesen, hätte mir Gedanken gemacht, was denn an mir so abstoßend sei. Jetzt nehme ich es nicht mehr persönlich.

Manchmal kommen dann Gedanken, wie sich wohl Menschen fühlen, die diese sichtbar gemachte Ablehnung jeden Tag erleben, Obdachlose, Bettler, auffällig gekleidete Jugendliche. Ausweichen, Ausgrenzung ist jetzt auch für uns spürbar. Es entsteht das Gefühl und kurz auch Angst, nicht mehr dazuzugehören.

Jetzt in Zeiten von Corona bin ich dankbar, dass die Spaziergänger so rücksichtsvoll sind. Es entstehen für Außenstehende manchmal lustige Szenen, wenn der Gehsteig schmal ist und ein Ausweichen auf die Straße nicht möglich ist. Zwei Menschen die aufeinander zugehen und keiner weiß ob links oder rechts, dieses Ausweichen auf die falsche Seite ist sehr komisch und manchmal auch filmreif. Es schaut wie eine Choreografie aus. Aber die wenigsten Akteuere lachen.

Abstand, ausweichen und auch mal stehenbleiben, bis jemand vorbeigegangen ist, ist überlebenswichtig. Die Spaziergänger machen es für sich selbst, ich natürlich auch.
Kurz zu den anderen Menschen im öffentlichen Raum. Es waren noch nie so viele Jogger und Radfahrer unterwegs. Joggen ist das neue Biergartengehen. Bei den Joggern und Sportradfahrern habe ich das Gefühl, sie wollen ihr Training so schnell wie möglich hinter sich bringen, um wieder in den eigenen schützenden vier Wänden sein zu können.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Spaziergänger gesehen. Der einen Motorradhelm auf hatte, ist das auch eine Methode sich vor dem Virus zu schützen?

Es sind viele Menschen alleine unterwegs, Junge und Alte, irgendwie traurig, aber auch ermutigend, dass es auch alleine möglich ist, die Frühlingsluft zu genießen.
Einige meiner Bekannten gehen selten spazieren, sie dürfen nichts verpassen von den Infos in den Medien. Können sie sich durch Informationen schützen?

Ich denke an ein Statement von Damian Hirst (amerikanischer Künstler). „Glauben wir, dass jede Krankheit durch eine passende Pille zu behandeln ist? In diesen Zeiten spricht alles dafür, dass die moderne Wissenschaft und Medizin in unserer Kultur an Stelle der Religion getreten ist“.

Mein Vater hat seine eigene Philosophie: „Ich mache dem Virus das Leben so schwer wie möglich.“ Ich kenne meinen Vater, der schafft das.

Autorin: Elfie Kriester

Sprache in Zeiten von Corona

Wir haben uns an Wörter gewöhnt wie Pandemie, Virologen, Ausgangsbeschränkung, soziale Distanz, Risikogruppen, Infektionsschutzgesetz, Homeschooling, Atemschutzmaske, Hamsterkäufe.

All diese Wörter waren bis Anfang März 2020 kaum bekannt, geschweige denn wurden sie benutzt. Oder kennen Sie jemanden, der über soziale Distanz gesprochen hätte?

Wir haben schnell dazugelernt, und diese Wörter gehören jetzt zu unserem Alltag wie das Coronavirus. Die Realität erfordert solche Wörter, die mit definierten Inhalten zu tun haben.

In mir steigen aber Unbehagen und Unverständnis hoch, wenn ich ein bestimmtes Wort höre, dass in letzter Zeit in aller Munde ist.

Lagerkoller – wie können nicht nur Journalisten dieses Wort so unsensibel und gedankenlos verwenden? Wie ich nachlesen konnte, bedeutet das Wort Koller Wut, eine schwere psychologische Erregung, die sich aus der Umgebung oder Situation ableiten lässt. Unter Lagerkoller versteht man einen vorübergehenden psychischen Erregungszustand bei zwangsweiser Lagerunterbringung. Zwangsweise Lagerunterbringung auf engstem Raum haben in Deutschland vor allem die Geflüchteten in den Unterkünften und Ankerzentren. Das Wort Lagerkoller wird unserer jetzigen Situation nicht gerecht. Wir Bewohner können uns in unseren Wohnungen aufhalten und haben „freien Ausgang“ zum Einkaufen, Spazierengehen, Fahrradfahren und Joggen.

Von dieser zwangsweisen Unterbringung, die ja einen Lagerkoller hervorrufen könnte, kann nicht die Rede sein. Für mich klingt es zynisch, wenn in der Umgangssprache immer wieder von Lagerkoller gesprochen wird. Es ist das Gegenteil richtig. Durch die Schaffung von privaten Rückzugsmöglichkeiten lässt sich dieser Lagerkoller oft abschwächen. Ein Blick in die Geschichte über Lager könnte uns sensibler machen.
Die Sprache formt das Bewusstsein. Ich plädiere dafür, dass das Wort „Lagerkoller“ nicht mehr in den Medien und auch nicht im täglichen Gebrauch verwendet wird.

Eine dringende Bitte an Sie: helfen Sie mit beim Finden eines neuen Wortes.
Bisherige Vorschläge:
Abgeleitet vom Homeoffice / Homestress / Home run away /
Wohnungskoller/ Decke auf den Kopf / Daheim Nein Danke/
Daheim – sonst noch was / Nix geht mehr daheim/
Bitte machen Sie mit!

Autorin: Elfie Kriester